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Vom Ich Zum Wir |
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Wissenswertes über Selbsthilfegruppen Immer mehr Menschen erleben ärztliche Betreuung als unzureichend für die Bewältigung ihrer Probleme. So wenden sie sich immer häufiger Selbsthilfegruppen zu, in denen sie mit Betroffenen ihre gesundheitlichen, seelischen und sozialen Probleme austauschen können. Wie schaffe ich den Schritt aus der Isolation in die Gemeinschaft von Gleichgesinnten? Wie komme ich mit bestehenden Gruppen in Kontakt? Für nahezu jedes Krankheitsbild haben sich Selbsthilfeangebote entwickelt. Allen Betroffenen ist dabei der Austausch mit anderen Betroffenen besonders hilfreich und wichtig . Sie spüren, nicht allein von der Krankheit betroffen zu sein, und werden dadurch ein wenig aus ihrer sozialen Isolation als Kranke in die Welt der Gesunden geholt. Sie erfahren Zuwendung , zutrauen und Ernsthaftigkeit, die ihnen als kranker Mensch oft nicht mehr zugestanden wird.Sie erhalten Hoffnungen, Tipps und Lebenserfahrungen, die nur der Gleichbetroffene bieten kann. Und „geteiltes Leid“ ist in der Tat „halbes Leid“. Der Betroffene muß oft erst mühsam erlernen, wie es geht, sich selbst zu helfen. Die nachfolgend beschriebenen Schritte sollen den Einstieg in die Selbsthilfegruppe erleichtern. Der erste Schritt verlangt, daß der Hilfesuchende seine persönliche Betroffenheit akzeptiert, denn Gesundung gelingt nur, wenn Krankheit ihn auch tatsächlich betrifft. Dabei ist Betroffenheit oder Betroffensein kein Zustand, sondern ein Veränderungen unterliegender Prozeß. Aufgrund seiner Betroffenheit entwickelt sich im Prozeß einer steten aktiven Auseinandersetzung ein Bewußtsein für die Notwendigkeit eigenen Handels. Denn es gilt, neben der Linderung der Symptome auch den Ursachen für das Leiden auf die Spur zu kommen. Ein nächster Schritt strebt den Erwerb von Wissen an, Ziel ist es, soviel wie möglich über die Erkrankung zu erfahren. Neben der Vermittlung von medizinischen Wissen über die jeweilige Krankheit kommt der Erforschung möglicher Ursachen viel Wert zu, die man als Betroffener und ständiger Beobachter der Symptome aktiv betreiben sollte. Neben der Literatur sind die Gespräche mit dem Arzt, mit der Familie und mit Gleichbetroffenen sehr wichtig . So sollte man nicht zögern, seinen Arzt zu fragen, wenn man seine Diagnose oder seine Therapievorschläge nicht richtig verstanden hat, oder aber gegebenfalls seine Zweifel an dem vorgeschlagenen Weg zu äußern und seinen Ängsten in dem Gespräch mit ihm Raum zu geben. Man sollte dem Arzt auch mitteilen, wenn etwas im Zusammenhang mit der Krankheit aufgefallen ist. Die eigenen Beobachtungen sind wichtig, auch wenn sie vielleicht anfangs als abstrus und in keinem Zusammenhang mit der Krankheit stehend erscheinen mögen. Es ist oft schwer für Familienmitglieder, das Leiden oder die damit einhergehenden Probleme verstehen oder auch nur annähernd nachvollziehen zu können, weil sie davon nicht betroffen sind. Dennoch bleibt es ratsam, ihnen die eigenen Gefühle , Ängste .und Leiderfahrungen mitzuteilen. Auch wenn das eigene Umfeld diese Schilderungen nicht nachvollziehen kann, kann es die Situation aber besser akzeptieren lernen. Und das ist nicht selten eine Grundvoraussetzung für eine Öffnung gegenüber den Selbsthilfegruppen. In den Selbsthilfegruppen trifft man Gleichbetroffene, dort findet man endlich die Menschen, die die eigenen Leiderfahrungen und Alltagsprobleme verstehen können und wollen . In den Gesprächen mit ihnen steht oft ein ungeheurer Wissenstank zur Verfügung, den man für sich anzapfen kann.Und irgendwann wird man auch seine Erfahrungen an andere weiter geben können. Schließlich lebt von diesem Austausch jede Selbsthilfe. Das Wissen, das sich aus Erfahrungen und Alltagshilfestellungen zusammensetzt, findet man in der Regel in keinem Lehrbuch. Deshalb ergänzt Selbsthilfe so exellent die ärztliche bzw. therapeutische Behandlung Eine aktive Mitarbeit in den Selbsthilfegruppen bzw. einschlägigen Verbänden ermöglicht auch eine gezielte Fortbildung. Auf diese Weise wird ebenfalls Wissen vermittelt. Jedes Wissen setzt sich auch irgendwie um und reichert sich bei den Betroffenen um praktische Erfahrungen an. Und die sind letzlich wieder Wissensinhalte, die vermittelt werden können, erlebte Kompetenz. Wie kommt man vom „Ich“ zum ȁWir“? Das ist der nächste Schritt. Es kommt auf die Bereitschaft an, sein Schneckenhaus zu verlassen und auf andere, gleichbetroffene Menschen zuzugehen. Bei sehr vielen Menschen ist dies eine nicht leicht zu überwindende Hemmschwelle. In der Regel steht vor dem Gang zur Selbsthilfe ein Prozeß, der geprägt und begleitet wurde von einer steten Verschlechterung der eigenen gesundheitlichen Situation. Die Selbsthilfe ist für die meisten ein letzter Weg, oft nach einer verzweifelten Odyssee von Arzt zu Arzt. Niemand konnte helfen, vielleicht die Selbsthilfe? Ein Strohhalm, nach dem der Betroffene greift. Es sind nach wie vor zu wenige, die die Selbsthilfeangebote von Beginn an als eine parallele Informations- und Hilfestruktur nutzen. Dabei kann gerade für kranke Menschen das „Wir“ so erlösend wirken. |
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| Ziele und Erwartungen konkret formulieren Wenn nun die Entscheidung für die Selbsthilfe gefallen ist, so sollte man sich bewußt für den weiteren Schritt Zeit nehmen und kurz die für sich wichtigen Zielsetzungen formulieren. Was erwarte ich von der Selbsthilfegruppe? Was erhoffe ich mir? Was könnte ich selbst einbringen? Man sollte die Anforderungen nicht zu hoch schrauben, sondern sich zu Anfang einfach nur über die Gruppe informieren, über deren bisherige Akzente und Zielvorstellungen, deren Strukturen und Teilnehmer. Wichtig sind die eigenen Einflußmöglichkeiten. Wie kann ich inhaltlich die Arbeit der Selbsthilfegruppe mitgestalten? Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ist nicht gleichbedeutend mit einem Konzert- oder Theaterbesuch. Es handelt sich um betroffene Menschen, die alle ihre eigene Geschicht haben. Und aus jeder Geschichte wird ein nützlicher Gedanke bleiben Eine Selbsthilfegruppe bietet sehr viele Möglichkeiten, sich aktiv um seine Gesundheit zu kümmern. In erster Linie erlaubt sie den Austausch von Betroffenen. Im gegenseitigen Zuhören , Ermuntern und Sprechen entsteht ein Miteinander, das eine positive Grundlage für unterstützende Hilfestellungen zur Bewältigung des Alltags darstellt. Darüber hinaus kann sie eine Struktur der Fortbildung sein, indem Referenten eingeladen werden, um bestimmte Fragen einer Antwort näher zu führen .Auch bietet die Gruppe eine Möglichkeit für gesundheitspolitische Aktivitäten. Es gilt, durch Öffentlichkeitsarbei5t auf die Krankheit aufmerksam zu machen, um vielleicht auch mehr Verständnis für die Betroffenen zu wecken .Was auch immer den Schwerpunkt der Selbsthilfearbeit bilden wird, hängt wesentlich vom Engagement und Interesse der darin aktiven Menschen ab .Aus diesem Grunde kann eine Abklärung der eigenen Erwartungshaltung sehr sinnvoll sein. Allerdings sollte sie auch von Zeit zu Zeit überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden |
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